Die Erde hat Fieber

Hochwasserkatastrophen, Dürren und Nahrungsmittelknappheit, jüngst der verheerende Sturm auf den Philippinen: Die Anzeichen dafür, dass das Klima unserer Erde äußerste Turbulenzen durchmacht, sind deutlich.

Der übermäßige CO2-Ausstoß macht unsere Erde krank. Wir könnten sie mit einem Heilmittel zumindest auf den Weg der Besserung bringen: Ein Klimaschutzgesetz würde die Verschmutzung drosseln und den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Sechs Bundesländer in Deutschland haben solche Gesetze bereits in ihren Koalitionsverträgen vereinbart — die laufenden Verhandlungen sind also die Chance schlechthin, ein Klimaschutzgesetz auch auf Bundesebene einzuführen.

Denn wie es mit der deutschen Klimapolitik weitergeht, wird jetzt bei den Koalitionsverhandlungen entschieden. Avaaz will mit einer Unterschriftenkampagne einen Beitrag dazu leisten, dass Klimaschutz gesetzlich verankert wird. 100.000 Unterschriften werden benötigt, um die Petition direkt an die Verhandlungsführer übergeben — hier kannst Du unterzeichnen:

https://secure.avaaz.org/de/klimaschutzgesetz_21/?bQCyxab&v=30954

Das Maß des Lebens

Am 20. August 2013 meldete die Umweltorganisation WWF, dass mit diesem Tag sämtliche natürlichen Ressourcen für das Jahr 2013 aufgebraucht seien. Mehr könne der Planet innerhalb eines Jahres nicht regenerieren und nachhaltig zur Verfügung stellen. Für den Rest des Jahres lebe die Menschheit auf Kredit und zehre von den stillen Reserven der Erde. „Welterschöpfungstag“ nennt die Global Footprint Network (GFN) jenes Datum, das sie jedes Jahr neu berechnet.  In diesem Jahr ist der Welterschöpfungstag schon zwei Tage eher erreicht als noch 2012. „Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit übersteigt die Biokapazität der Erde heute bereits um mehr als die Hälfte. Die Naturressourcen, die ab morgen verbraucht werden, können in diesem Jahr nicht mehr regeneriert werden. Sieben Milliarden Menschen verbrauchen derzeit mehr als eineinhalb Planeten Erde“, warnen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace.

Die alarmierende Meldung kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem die ersten kühlen Nächte den Herbst ankündigen. Früher nannte man den September auch Scheiding: der Monat, der die warme von der kalten Zeit trennt – und zugleich der Monat, in welchem die Natur ihre Schöpfungskraft aufgebraucht hat. Ein maßvoller Umgang mit dem soeben Geernteten ist nun nötig, um über den Winter zu kommen. Wer über das Maß hinaus schießt und seine Vorräte zu sorglos verprasst, wird in der kältesten Zeit des Jahres hungern. Und so lehrt uns die Qualität dieser Zeit sehr viel über das rechte Maß.

Dazu noch ein paar Gedanken des Philosophen Christoph Quarch, Buchautor und Herausgeber der Zeitschrift „WIR – Menschen im Wandel“: „Wir müssen das Maß des Lebens wiedergewinnen“, sagt Quarch. Dieses Maß richte sich nicht nach unseren Wünschen und Vorstellungen, sondern nach dem Grundprinzip der Natur: Harmonie, Balance, Ausgleich. „Alles was lebt, will mit sich und der Welt im Einklang sein. So auch unsere Seelen, unsere Körper, unsere Gemeinwesen. Harmonie nach innen und außen – das ist das Maß aller Dinge. Und dieses Maß kommt nicht von außen, sondern es steckt in uns drin. Wir alle wissen, was für uns angemessen und maßvoll ist. Die innere Stimme sagt es uns, die Geschehnisse um uns sagen es, nur hören wir oft nicht hin. Was Not tut, ist eine lebendige Konversation: im lebendigen Austausch von Seele und Welt den Einklang erzeugen. Wo uns das gelingt, können wir der Maßlosigkeit der Zeit etwas Heilsames entgegensetzen.“

Lehrmeister Koyote

Sommerzeit ist Ferienzeit. Zeit, um stundenlang durch Wald und Wiesen zu streunen, hie und da ein paar saftige Beeren zu pflücken, einen Grashüpfer oder eine Libelle zu beobachten, im Schatten zu liegen und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Das Schuljahr ist vorbei, jetzt kann man endlich tun, worauf man Lust hat. Erstaunlicherweise bedeutet das für die wenigsten Kinder: Nichtstun. Die meisten folgen einfach ihren spontanen Impulsen, sobald sie selbst entscheiden können, wovon sie sich gerade faszinieren lassen. Und oft genug entwickeln sie dann äußerst kreative Ideen oder entdecken Dinge, über die selbst die Erwachsenen staunen, wenn sie den Nachwuchs auf seinen Streifzügen begleiten. Damit ist – ganz unbewusst – der erste Schritt in Richtung Coyote Teaching getan!

Coyote Teaching ist eine Methode des unmerklichen Lernens und Lehrens. Die Methode ist uralt und hat ihren Ursprung in der Jäger- und Sammlerzeit aller Kulturen. Bei den Naturvölkern gehört es noch heute selbstverständlich zum Leben. Obwohl Lernen dort nicht institutionalisiert ist, sind die Lehr- und Lernmethoden der Naturvölker sehr erfolgreich; sie müssen es sein, denn nur so ist ein Überleben gesichert. Coyote Teaching basiert auf einer Fragetechnik, die Neugierde schürt und sich den Kenntnissen und Fähigkeiten des jeweiligen Menschen anpasst.

Der Koyote hat in den nordamerikanischen Legenden den Charakterzug des „Trickster“. Er geht ungewöhnliche Wege, benutzt eigene Methoden. Er gilt als schlau, und zugleich treibt er auch gern Unfug. Wer den Koyoten als Lehrmeister hat, merkt oft gar nicht, dass es sich dabei um einen Lehrer handelt. Tom Brown, der Schüler des Indianers Stalking Wolf, reagierte als junger Erwachsener beispielsweise sehr erstaunt, als er von einem Seminar hörte, das Stalking Wolf halten sollte. „Aber er weiß doch nichts. Er fragt doch immer mich“, soll er gesagt haben. Ein Beispiel für gelungenes Coyote Teaching!

Neugierde und Notwendigkeiten werden als Motoren menschlichen und tierischen Lernens gesehen. Dementsprechend sind die Kunst der Fragestellung, die Dehnung der Aufmerksamkeitsspanne, die Nutzung innerer Bilder, das Schaffen von Verbindungen mit der Natur wesentliche Aspekte dieser Lehr- und Lernmethode. Nach derzeitiger Auffassung aller Wildnisschulen in Deutschland (die sich auf Stalking Wolf, Tom Brown und Jon Young beziehen) ist das Coyote Teaching die ursprüngliche Art des Lernens. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet Informationen und Seminare dazu bei den einzelnen Wildnisschulen.

Mit einem Sieb gegen Meeresmüll

Ganze 13.000 Plastikpartikel pro Quadratmeter Meeresoberfläche, insgesamt 142 Milliarden Kilogramm Müll schwimmen in den Weltmeeren: Diesen unheimlichen Werten will der 19-jährige Niederländer Boyan Slat zu Leibe rücken – mit einer Erfindung, die an Einfachheit schwer zu überbieten ist. Siebe, verankert an neuralgischen Strömungspunkten der Ozeane, sollen den Müll aus dem Meer fischen, ohne dabei der Tierwelt Schaden zuzufügen.

„Über die Meere zu fahren und den Müll einzusammeln, wäre teuer, unbeholfen und würde die Umwelt verschmutzen“, begründet Boyan Slat die Idee auf seiner Homepage. Sein Zugang ist da deutlich simpler. Die 24 geplanten Stationen, die den Projekttitel „Ocean Cleanup Array“ tragen, bedienen sich der natürlichen Strömung, um den Müll aus dem Wasser zu filtern. Er wird gesammelt und zum Recycling an Land befördert. Um die Tiere nicht in Mitleidenschaft zu ziehen, sind keine Netze vorgesehen, sondern Trichter. Diese arbeiten nur mit der Kraft der Strömung – Tiere können daraus wieder entfliehen.

Insgesamt 7,25 Milliarden Kilogramm Plastikmüll könnten so aus den Meeren gefischt werden, meint Slat. Und das in nur fünf Jahren. Die Realisierbarkeit des Ganzen wird derzeit geprüft. Vorab-Studien bescheinigen dem Projekt allerdings, dass es durchaus machbar und effektiv – und sogar finanziell rentabel sei. Durch die Verwertung des Plastiks könne mehr Geld eingenommen werden, als das Projekt kostet, argumentiert der 19-Jährige.

Glauben schenken diesem Projekt übrigens auch andere: Slats Paper gewann die Auszeichnung für Best Technical Design der Uni Delft, bei der Konferenz iSea Clash of The Concepts bekam „The Ocean Cleanup“ außerdem vom niederländischen Umweltministerium den zweiten Preis. Und auch bei der hochrangig besetzten TED-Konferenz in Delft durfte Boyan Slat sein Projekt vorstellen – siehe Video.

(Quelle: www.kurier.at)

Sonne, Regen, Klimawandel

Wie das derzeitige Wetter in Deutschland zu den Prognosen der Klimaforscher passt

Der Regen ist vorbei, die Fluten ziehen sich zurück. Doch für viele Menschen ist das erst der Beginn der Katastrophe: Ihre Häuser sind unbewohnbar geworden, die Äcker der Bauern starren vor Dreck und Schlamm. Die Ernten sind vernichtet – und mit den steigenden Lebensmittelpreisen werden auch diejenigen, die nicht direkt vom Hochwasser betroffen sind, davon etwas zu spüren bekommen.

In Deutschland gab es im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine ganze Reihe von „Jahrhunderthochwassern“. 1988 kam es zum Beispiel an der Donau zwischen Regensburg und Passau zu katastrophalen Überschwemmungen. Ebenso am Rhein im März des gleichen Jahres. Im Jahr 1993 suchte eine Hochwasserkatastrophe Deutschland um die Weihnachtszeit heim. Vor allem Rhein, Mosel und Main traten über ihre Ufer. Im Januar 1995 gab es ein erneutes Jahrhunderthochwasser. Wiederum traten Rhein, Mosel und Main sowie Nahe und Maas über die Ufer. Auch viele andere Flüsse verwandelten sich in reißende Ströme. In Deutschland, aber auch in den Niederlanden, in Belgien und in Nordfrankreich kam es zu weitreichenden Überschwemmungen. Im Sommer 1997 entstand nach einem Jahrhundertregen das katastrophale Hochwasser entlang der Oder. 2002 folgte die nächste Jahrhundertflut erst in Bayern, dann entlang der Elbe. 2005 hieß es in Bayern erneut „Land unter“.

Japanische Klimaforscher haben herausgefunden, dass die sogenannten „Jahrhundertfluten“ des 20. Jahrhunderts künftig alle paar Jahrzehnte zu erwarten seien. „Hochwasser gehört zu den am engsten mit dem Klimain Verbindung stehenden Katastrophen“, schreiben Yukiko Hirabayashi und die Co-Autoren von der Universität von Tokio und anderen japanischen Forschungsstellen. Ihr Bericht wurde Anfang Juni online in „Nature Climate Change“ veröffentlicht.

Ist der Klimawandel also bereits voll im Gang? Es scheint so: In den vergangenen 80 Jahren ist es in Bayern um 1,6 Grad wärmer geworden. In den ersten 70 Jahren stieg die Temperatur um 0,7 Grad. Doch von 2001 an ging es rapide: 2006 waren es schon 1,1 Grad, und innerhalb des darauffolgenden Jahres 1,6 Grad. Die Zahlen haben Experten herausgefunden,  als sie alle bis ins Jahr 1931 zurückreichenden Daten des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet haben.

Dass es uns dennoch so vorkommt, als würde es in Bayern nicht recht Sommer werden wollen, liegt laut einem Bericht der Max Planck Gesellschaft vom 22. Mai daran, dass der Klimawandel momentan eine kleine Pause einlegt. Da das Klimasystem sehr träge ist und etwa die Ozeane sich nur sehr langsam aufheizen, dauert es, bis sich die Wirkung der Treibhausgase voll entfaltet. Außerdem beeinflussen zahlreiche andere Prozesse das Klima – einige wirken wie eine Rückkopplung und verstärken den Treibhauseffekt, manche Prozesse schwächen ihn aber auch ab. Insgesamt, so sagen die Experten, erwärmt sich die Erde jedoch weiter. „Diese Erwärmung findet vor allem in tieferen Schichten der Ozeane statt“, erklärt Jochem Marotzke in dem Bericht der Gesellschaft.

Marotzke gehört zu einem Team der weltweit renommiertesten Klimaforscher, das die jüngste Entwicklung der Oberflächentemperatur nun in einer neuen Vorhersage berücksichtigt, wie die Erde durch den Treibhauseffekt vor allem von Kohlendioxid (CO2) aufheizen wird. Diese Prognose bestätigt, dass die Klimamodelle den Trend der Erderwärmung richtig vorhersagen: „Wenn die Konzentration des Treibhausgases weiter unvermindert wächst, wird die Durschnittstemperatur bis 2050 im Vergleich zu vorindustriellen Werten wahrscheinlich um 0,9 bis 2,0 Grad Celsius angestiegen sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Atmosphäre deutlich stärker aufheizen als um zwei Grad, auf die die UN-Klimakonferenz die Erwärmung begrenzen will“, heißt es in dem Bericht der Max Planck Gesellschaft. Es gibt also in keiner Weise Grund zur Entwarnung.

Warum die neue Saatgut-Verordnung der EU umstritten ist

Die geplante Verordnung der EU zum Einsatz von Saat- und Pflanzgut ist nicht nur unter Hobbygärtnern und Kleinunternehmern umstritten. Sie soll sicherstellen, dass in Zukunft kein selbst erzeugtes Saatgut benutzt werden darf – sondern ausschließlich zertifizierte Produkte, die zum großen Teil von Konzernen wie Monsanto oder Bayer Crop Sciences zu teurem Geld angeboten werden. Zwar wurden Hobbygärtner und Kleinstunternehmer mittlerweile von der Registrierungspflicht ihres Saatgutes ausgenommen. Doch nach wie vor fürchten viele Menschen, dass die neuen Regelungen den Fortbestand seltener und bäuerlicher Sorten bedrohen und lediglich dazu da sind, Europas großen Agrarkonzernen das Geschäft der Zukunft zu sichern.. In Unterschriftenaktionen und Demonstrationen bekundeten bereist zahlreiche Menschen ihren Unmut gegenüber der neuen Verordnung.

Nur eine Handvoll Unternehmen beherrschen heute die globale Produktion. „Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt hat sich innerhalb von zwanzig Jahren extrem konzentriert. Dieses Oligopol ist das Resultat unzähliger Übernahmen und Fusionen“, schreibt die Schweizer Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern in ihrem Bericht „Agropoly“. Demnach hielten 1996 die zehn größten Unternehmen der Saatgutindustrie einen Marktanteil von weniger als 30 Prozent. Heute sind es drei Konzerne, die mehr als 50 Prozent des Weltmarktes kontrollieren. In Europa besitzen laut „Agropoly“ fünf Firmen die Hälfte der Patente auf Pflanzen: Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF und Bayer.

„Die untereinander konkurrierenden Konzerne verkaufen das Package Saatgut, Pestizide und Dünger und sichern sich damit den Markt“, erläutert Heidemarie Porstner von der Umweltschutzorganisation Global 2000. Den Schlüssel zum Erfolg bildet möglichst einheitliches Saatgut, das gentechnisch so weit verändert worden ist, dass es selbst nicht mehr auf die Pestizide reagiert – und das zugleich schon dermaßen hochgezüchtet ist, dass es ohne Spezialdünger gar nicht mehr wachsen kann. Laut Porstner sind dadurch 75 Prozent aller Nutzpflanzensorten in den vergangenen 100 Jahren unwiederbringlich verschwunden.

Noch allerdings gibt es Hoffnung: Denn der Vorschlag der EU-Kommission zur Saatgutverordnung ist erst dann beschlossene Sache, wenn auch die Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament zustimmen. Wer sich weiter informieren und für den Erhalt der Sortenvielfalt einsetzen will, hat hier die Möglichkeit dazu:

http://www.saveourseeds.org/aktionen/werde-aktiv/petition-saatgutverordnung.html

http://helfen.global2000.at/de/node/19

http://www.saatgutkampagne.org/

 

Wo sind die Bienen

Alles blüht und duftet, aber es fehlt das Summen in der Luft … sind heuer tatsächlich viel weniger Bienen unterwegs als sonst?

Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit an der Universität Bern, bestätigt den Verdacht: „Letztes Jahr sind in der Schweiz die Hälfte aller Bienen gestorben, also rund 100.000 Bienenvölker. In den USA liegt die Sterberate in letzter Zeit bei konstanten 30 Prozent – als Toleranzwert gelten für die Imker eigentlich 10 Prozent.“ Auch in Deutschland waren die Verluste in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch. Im Frühjahr 2012 haben die Imker rund 25 Prozent ihrer Völker verloren.

Laut der Langzeitstudie „Deutsches Bienen-Monitoring“ ist vor allem die Milbe Varroa destructor am Bienensterben schuld; Professor Neumann bestätigt das. Aber auch die Lebensbedingungen selbst machen den Bienen zu schaffen: Riesige Monokultur-Flächen verdrängen die Blumenwiesen. Dort, wo es jene Wiesen noch gibt, werden sie oft schon vor der Blüte gemäht. Damit geht Bienennahrung verloren. Die Folge ist Mangelernährung von klein auf, die Widerstandskraft der Bienen schwindet. Doch das ist längst nicht alles. Pestizide wie jene Gruppe der Pflanzenschutzmittel mit Neonicotinoiden, welche die EU nun wenigstens zum Teil verbieten will (siehe Artikel unter „News“), schädigen und töten ganze Bienenvölker. Und auch die Extreme von Kälte-, Hitze- und Dürreperioden im sich wandelnden Klima bedeuten zusätzlichen Stress (nicht nur) für die Bienen.

„Wenn die Bienen weiter sterben, kann es durchaus Engpässe bei der Bestäubungsleistung geben und damit natürlich ernsthafte Probleme für die menschliche Ernährung und die Umwelt“, prognostiziert Professor Neumann. „Während zwar Reis und Gerste über den Wind bestäubt werden, sind für die gesunde Ernährung mit Gemüse und Obst die Bienen als bestäubende Insekten unersetzlich. Auch die meisten Wildpflanzen benötigen Bestäubung durch Insekten.“
Greenpeace ruft in seinem Bericht „Bye Bye Biene“ deshalb zum sofortigen Umschwenken von einer chemie-intensiven Landwirtschaft zu einem ökologischen Agrarsystem auf.
Ansonsten gäbe es da noch die Lösung, wie sie im Dokumentarfilm „More than honey“ in einer chinesischen Provinz gezeigt wird: Weil die Bienen dort bereits ausgestorben sind, übernehmen Massen von Menschen die Bestäubung – mittels Wattetupfer Blüte für Blüte!

Quellen:
http://www.uniaktuell.unibe.ch (Onlinemagazin der Universität Bern)
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/chemie/20130408-Bye-bye-biene-report.pdf
http://www.morethanhoney-derfilm.at/

Schutz für die Bienen – EU stimmt für Teilverbot von Pestiziden

Die EU-Mitgliedsstaaten haben Ende April mehrheitlich für ein Teilverbot von drei umstrittenen Pestiziden gestimmt, die aus der Gruppe der Pflanzenschutzmittel mit Neonicotinoiden stammen und das Leben der Bienen gefährden. In der entscheidenden Sitzung in Brüssel stimmten 15 Staaten für das Verbot. Acht Länder waren dagegen, vier enthielten sich der Stimme. Österreich stimmte auch dieses Mal gegen das Verbot. Deutschland hat Medienberichten zufolge für das Verbot gestimmt.
Damit liegt die Entscheidung nun bei der EU-Kommission, die ein Verbot befürwortet. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg bedauerte, dass die notwendige Mehrheit nicht erreicht wurde. Er versprach aber, alles zu tun, um sicherzustellen, dass „unsere Bienen, die so wichtig für unser Ökosystem sind und der europäischen Landwirtschaft einen Beitrag von jährlich mehr als 22 Milliarden Euro leisten, geschützt werden“.
Das Verbot sollte Borgs Plänen zufolge am 1. Juli in Kraft treten. Nachdem die Entscheidung nun bei der Kommission liegt, die laut Reuters noch am Montag verkündet hat, das Verbot einzuführen, wird es voraussichtlich fünf Monate später mit 1. Dezember in Kraft treten. Der Gebrauch der Chemikalien soll vorerst für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anziehen, erlaubt bleiben.
Die Neonicotinoide sind Insektizide, welche die Pflanzen über die Wurzeln aufnehmen und in die Blätter transportieren, die dann vor beißenden und saugenden Insekten geschützt sind. Allerdings töten diese Insektizide auch Bienen. Bei dem in den letzten Jahren in verschiedenen Weltgegenden auftretenden Massensterben von Bienenvölkern wurden immer wieder Pestizide auf der Basis von Neonicotinoiden als mögliche oder mitverantwortliche Ursache vermutet. Bei einem Bienensterben im südlichen Oberrheintal  im Frühling 2008 war sogar nachweisbar der Wirkstoff Clothianidin (ein Neonicotinoid) verantwortlich. Mehr als 11.500 Bienenvölker wurden dabei über ein Gebiet hinweg geschädigt, das sich im Rheintal von Lörrach bis Rastatt erstreckte.

Messgerät Apfelbaum

Die Apfelblüte ist für Wissenschaftler ein deutliches Zeichen für den Frühling. In den vergangenen 30 Jahren hat sie sich um sechs bis zehn Tage nach vorn verschoben.

Egal welches Datum der Kalender anzeigt: Wenn die Apfelbäume blühen, hat der Frühling endgültig Einzug gehalten. Einige Wissenschaftler benutzen die Apfelbäume deshalb als „Messgeräte“, um den Beginn des Frühlings zu erkennen und so über mehrere Jahre hinweg mögliche Schwankungen oder Veränderungen im Klima festzustellen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich der durchschnittliche Blühbeginn in den vergangenen 30 Jahren je nach Region um 6 bis 10 Tage im Kalender nach vorne verschoben hat.

Und noch einer weiteren spannenden Frage gehen die Forscher nach: Wie schnell ist der Frühling? Denn die Apfelbäume blühen nicht überall in Europa gleichzeitig. Durchschnittlich 80 Tage liegen zwischen der ersten Apfelblüte im März in Südspanien und den letzten blühenden Bäumen Anfang Mai in Skandinavien. Wie eine La-Ola-Welle läuft sie über den Kontinent. Je nach

Witterung wandert die Apfelblüte und mit ihr der Frühling mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gen Norden: In kühlen Jahren kommt sie nur etwa 30 Kilometer pro Tag voran, in warmen Jahren mit rund 90 Tageskilometern ist sie fast dreimal so schnell unterwegs. Da Apfelbäume sehr geeignete „Messgeräte“ für den Klimawandel sind, steigt mit jedem weiteren Beobachtungsjahr die Chance, in den Verlaufsdaten der Apfelblüte Spuren des Klimawandels zu finden. Wird das Klima wärmer, sollten die Bäume über die Jahre hinweg immer früher blühen.

Die Redaktion der SWR-Sendung „Planet Wissen“ will nun herausfinden, ob sich der Trend auch innerhalb von Deutschland beobachten lässt. Im Rahmen ihrer Aktion „Apfelblütenland“ fordert sie die Zuschauer nun schon in der achten Saison dazu auf, die ersten blühenden Apfelbäume in ihrer Region zu melden. In den ersten sieben Jahren kamen so über 22.000 Meldungen zusammen. Die Auswertung der Daten erfolgt durch Wissenschaftler der Universität Freiburg. Auf der Homepage von „Planet Wissen“ (www.planet-wissen.de) kann man das Voranschreiten der Blüte auf einer großen Karte mitverfolgen. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Aktion „Apfelblütenland“ sowie ein Teilnahme-Formular.

20. März – World Storytelling Day

Weltgeschichtentag_klSeit mehreren Jahren ist der 20. März auf der ganzen Welt dem mündlichen Erzählen von Geschichten gewidmet – mit dem Ziel, Geschichten (mit) zu teilen, sich am Reichtum der Bilder, Sprachen und Geschichten aus allen Ländern der Erde zu erfreuen und neue Kontakte zu knüpfen. Jeder Jahrestag steht unter einem bestimmten Thema – diesmal dreht sich alles um das Thema „Glück und Schicksal“.

Der World Storytelling Day hat seine Wurzeln in Schweden. Anfang der 1990er Jahre organisierte das Schwedische Storytelling Netzwerk am 20. März eine Veranstaltung mit dem Titel „Alla berattares dag“ (Der Tag aller Geschichtenerzähler). Wenige Jahre später löste sich das Netzwerk auf, doch der Tag aller Geschichtenerzähler wurde weiterhin immer am 20. März gefeiert. 1997 organisierten Geschichtenerzähler in Westaustralien in Perth eine fünfwöchige  „Celebration of Story“ und legten den 20. März als den Internationalen Tag der mündlichen Erzähler fest. Zur selben Zeit wurde der 20. März auch in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern als der Nationale Tag der Geschichtenerzähler gefeiert.

Ungefähr zehn Jahre nach dem ersten Versuch in Skandinavien startete in Schweden das neue Storyteller-Netzwerk Ratatosk und breitete sich über Norwegen, Dänemark, Finnland und Litauen bis nach Kanada aus. 2005 fand der World Storytelling Day mit Veranstaltungen aus 25 Ländern statt, und das Programm wächst weiter.

Die Kunst des Storytelling ist auch in den Wildnisschulen gefragt: Abends am Lagerfeuer, wenn das Tagwerk getan ist, kommt wie bei den Naturvölkern auch die Zeit der Geschichten. Dann erzählt man einander von den spannenden Erlebnissen – als man die seltsame, riesige Spur im Wald verfolgte oder als man in den Bergen von einem Unwetter überrascht wurde.

Das World Storytelling Day Logo (oben rechts) wurde entwickelt von Mats Rehnman von der Gruppe Fabula Storytelling aus Stockholm. Weitere Infos zu den Veranstaltungen und zur Historie des Weltgeschichtentags: www.weltgeschichtentag.de