Ausharren und durchhalten

Tiere überleben den kältesten Monat Januar, indem sie Winterschlaf oder Winterruhe halten. Auch auf den Menschen hat der Winter eine Auswirkung.

Der Januar ist mit einer durchschnittlichen Temperatur um den Gefrierpunkt der kälteste Monat im mitteleuropäischen Jahreszyklus – und das, obwohl die Sonnenstunden pro Tag bereits wieder zunehmen. Die Bäume sind kahl, der Boden ist gefroren; mancherorts erschwert eine dicke Schneedecke die Suche nach der ohnehin sehr spärlichen Nahrung wie Nüsse oder Samenkapseln. Für die Lebewesen draußen in der Natur heißt es nun durchhalten. Viele Tiere haben Strategien entwickelt, wie sie diese Zeit am besten überstehen. Die Zugvögel überwinden bis zu 4000 Kilometer – die Küstenseeschwalbe fliegt bis nach Südafrika –, um dem kalten, nord- und mitteleuropäischen Winter zu entkommen.

Für andere Tiere wie Igel, Murmeltiere, Haselmäuse und Fledermäuse wäre eine solche Wanderung zu beschwerlich. Sie können die Wintermonate nur überstehen, indem sie sich im Herbst, wenn noch genügend Nahrung vorhanden ist, einen Vorrat anfressen und schließlich einen geschützten Platz für ihren Winterschlaf aufsuchen: etwa hohle Baumstämme oder Erdhöhlen, die sie mit Heu, Stroh, Blättern, Haaren, Wolle und anderen Materialien auspolstern. Dort kuscheln sich meist mehrere Tiere eng zusammen. In dieser Zeit fressen sie nichts, sondern ernähren sich ausschließlich von ihren Fettpolstern. Ab und zu wachen sie kurz auf, um Darm und Blase zu entleeren oder ihre Schlafposition zu ändern. Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel verlangsamen sich und die Körpertemperatur sinkt ab, um Energie zu sparen. Werden die Tiere während ihres Winterschlafs gestört, kann das für manche den Tod bedeuten. Je häufiger sie erwachen, desto mehr Energie verbrauchen sie. Sind ihre Reserven aufgezehrt, noch bevor der Frühling kommt, müssen sie verhungern.

Andere Tiere wie der Bär oder das Eichhörnchen halten lediglich eine Winterruhe. Im Gegensatz zu den Winterschläfern wachen sie öfter auf und nehmen dann Nahrung zu sich. Insekten und Amphibien und einige Fische hingegen fallen in eine Winterstarre. Analog zur Außentemperatur sinkt auch ihre Körpertemperatur. Erst mit dem Ansteigen der Außentemperatur erwachen sie wieder „zum Leben“. Dauert die Phase der Starre jedoch zu lange oder ist es zu kalt, sterben sie schließlich und erwachen nicht mehr durch die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings.

Auch auf die Menschen wirken sich Kälte und kurze Tage aus, obwohl sie es dank Supermarkt, Feuer oder Zentralheizung und elektrischen Lichts auch im Winter relativ gemütlich haben. Der Mensch ist ein tagaktives Lebewesen. So war sein Lebensrhythmus von Schlafen und Wachen noch bis vor zwei Jahrhunderten primär vom Sonnenauf- und untergang abhängig. Trotz der technischen Errungenschaften, mit denen wir inzwischen die Nacht zum Tag machen können, tickt unsere innere Uhr nach wie vor hauptsächlich nach dem Hell-Dunkel-Zyklus der uns umgebenden Natur. Nachtschichten und Nachtarbeit können den Rhythmus unserer Organ-Aktivität jedoch empfindlich stören und ins Ungleichgewicht bringen, wie die Ärzte mittlerweile herausgefunden haben.

Nicht nur das Licht und die Temperatur in der Umgebung geben den Takt für den Schlaf-Wach-Rhythmus an, sondern auch bestimmte Faktoren im Körper wie Hormone. Kunstlicht wirkt zwar ähnlich wie Sonnenlicht auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, aber es wird zu Zeiten eingesetzt, die im Widerspruch zu den Taktgebern in den Körperzellen stehen. So können nächtliche Aktivitäten einiges im menschlichen Körper durcheinander bringen. Während der kalten Jahreszeit ein bisschen Ruhe einkehren zu lassen, wäre also durchaus im Sinne unseres natürlichen Rhythmus. Es muss ja nicht gleich in Winterschlaf ausarten!