Das Maß des Lebens

Am 20. August 2013 meldete die Umweltorganisation WWF, dass mit diesem Tag sämtliche natürlichen Ressourcen für das Jahr 2013 aufgebraucht seien. Mehr könne der Planet innerhalb eines Jahres nicht regenerieren und nachhaltig zur Verfügung stellen. Für den Rest des Jahres lebe die Menschheit auf Kredit und zehre von den stillen Reserven der Erde. „Welterschöpfungstag“ nennt die Global Footprint Network (GFN) jenes Datum, das sie jedes Jahr neu berechnet.  In diesem Jahr ist der Welterschöpfungstag schon zwei Tage eher erreicht als noch 2012. „Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit übersteigt die Biokapazität der Erde heute bereits um mehr als die Hälfte. Die Naturressourcen, die ab morgen verbraucht werden, können in diesem Jahr nicht mehr regeneriert werden. Sieben Milliarden Menschen verbrauchen derzeit mehr als eineinhalb Planeten Erde“, warnen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace.

Die alarmierende Meldung kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem die ersten kühlen Nächte den Herbst ankündigen. Früher nannte man den September auch Scheiding: der Monat, der die warme von der kalten Zeit trennt – und zugleich der Monat, in welchem die Natur ihre Schöpfungskraft aufgebraucht hat. Ein maßvoller Umgang mit dem soeben Geernteten ist nun nötig, um über den Winter zu kommen. Wer über das Maß hinaus schießt und seine Vorräte zu sorglos verprasst, wird in der kältesten Zeit des Jahres hungern. Und so lehrt uns die Qualität dieser Zeit sehr viel über das rechte Maß.

Dazu noch ein paar Gedanken des Philosophen Christoph Quarch, Buchautor und Herausgeber der Zeitschrift „WIR – Menschen im Wandel“: „Wir müssen das Maß des Lebens wiedergewinnen“, sagt Quarch. Dieses Maß richte sich nicht nach unseren Wünschen und Vorstellungen, sondern nach dem Grundprinzip der Natur: Harmonie, Balance, Ausgleich. „Alles was lebt, will mit sich und der Welt im Einklang sein. So auch unsere Seelen, unsere Körper, unsere Gemeinwesen. Harmonie nach innen und außen – das ist das Maß aller Dinge. Und dieses Maß kommt nicht von außen, sondern es steckt in uns drin. Wir alle wissen, was für uns angemessen und maßvoll ist. Die innere Stimme sagt es uns, die Geschehnisse um uns sagen es, nur hören wir oft nicht hin. Was Not tut, ist eine lebendige Konversation: im lebendigen Austausch von Seele und Welt den Einklang erzeugen. Wo uns das gelingt, können wir der Maßlosigkeit der Zeit etwas Heilsames entgegensetzen.“