Die zwei Gesichter des Oktobers

Während die einen im Liebesglück schwelgen, werden andere bereits mit Tod und Sterben konfrontiert.

Warmes Licht und goldene Farben: Im Oktober genießen die Menschen die Natur noch einmal in vollen Zügen. Voller Harmonie wirken die Kompositionen, die der Herbst in die Landschaft zeichnet. Tagsüber können die Temperaturen sogar noch warm genug fürs T-Shirt sein!
Kein Wunder also, dass die Natur gerade diese Zeit für die Liebeswerbung einiger Tiere auserkoren hat. Bis Mitte Oktober kann man in den Wäldern das dumpfe Röhren der Rothirsche hören. Damit wollen sie nicht nur die Weibchen beeindrucken, sondern auch die männliche Konkurrenz. Wer an der Stärke des Platzhirsches zweifelt, bekommt dann schon einmal dessen Geweih zu spüren. Im Anschluss an die Brunft der Rothirsche beginnt diejenige der Damhirsche. Auch die Wildschwein-Keiler suchen allmählich die Nähe zu den Weibchen, denn ihre Rauschzeit beginnt im November.
Bei den Feldhasen hingegen kämpfen die Jungen des letzten Wurfes gegen die kühleren Temperaturen und die zunehmende Nässe im Oktober. Nur wenige von ihnen überleben die ersten Kälteeinbrüche. Und auch die Igel suchen dringend einen Unterschlupf in den unzähligen Laubhaufen, um geschützt in den Winterschlaf gehen zu können.
Das Laub verdanken die Igel übrigens einem Notprogramm im Stoffwechsel der Laubbäume. Ihre Blätter bestehen aus vielen wasserreichen Zellen, die bei Frost zerstört würden. Außerdem würde der Baum Gefahr laufen zu verdursten. Mehrere hundert Liter Wasser verdunsten während der warmen Jahreszeit täglich über die Blätter. Mit zunehmendem Frost können die Bäume aber immer weniger Wasser aufnehmen.
Deshalb werfen sie ihre Blätter lieber kontrolliert ab, nachdem sie den für die Photosynthese wertvollen Farbstoff Chlorophyll in die Äste und den Stamm zurückgezogen haben. Dadurch werden die gelblichen und roten Farbstoffe in den Blättern sichtbar, die vorher das Grün des Chlorophylls verdeckte. Schließlich bildet sich zwischen Ast und Blatt eine Korkschicht, mit welcher der Baum das Blatt von der Versorgung der Nährstoffe abschneidet. Das Blatt verhungert und fällt ab.
Die Menschen lassen sich von den bunten Farben im Oktober übrigens gern zu Basteleien anregen. Kastanien werden zu Männchen, Hagebutten und Nussschalen werden zu Halsketten verarbeitet. Doch eines sollte man bei allem Spaß an der Dekoration nicht aus den Augen verlieren: Die zuletzt geernteten Früchte wie Äpfel, Birnen, Weintrauben, Kartoffeln, Rüben, Esskastanien und Nüsse sind ein lange haltbarer Essensvorrat für den Winter.