November-Nahrung

Eigentlich haben wir in den westlichen Zivilisationen doch alles, was das Herz begehrt. In den Supermärkten können wir die exotischsten Dinge kaufen. Und selbst im Winter, wenn hierzulande nichts Frisches mehr wächst, müssen wir nicht hungern. Und doch … irgendetwas fehlt. Aber was? Ach ja, die Sonne! Sie macht sich rar in den Wintermonaten und ist auch nicht durch noch so viele Glühbirnen zu ersetzen. Aber dieses Gefühl, dass etwas fehlt, war das nicht im August auch schon mal da?
Es gibt Nahrung, die kann man nicht im Supermarkt kaufen. Gedanken nähren die Seele – und je nachdem, welche es sind, führen sie zu Übelkeit oder zu Zufriedenheit. Und nicht nur das: „Es sind in erster Linie nicht negative oder positive Gedanken, die unser heutiges Hauptproblem der seelischen Fehernährung ausmachen“, steht auf der Seite einer Anthroposophenschule. Sie sind der Überzeugung: „Das Problem der Fehlernährung liegt in Gedanken die wir nicht haben, die uns fehlen!“
Als Rezept gegen diesen Mangel nennt jene anthroposophische Seite eine „kosmisch orientierte Gedankenwelt“, eine „gesunde Mensch-Kosmos-Beziehung“. Dieses Rezept mag manchen so spanisch vorkommen wie das medizinische Kauderwelsch auf der Arztrechnung. Doch dann steht da noch ein Satz, der ein bisschen leichter verständlich ist: „Man mag Menschen, die der Seele Nahrung zukommen lassen“, ein Zitat einer Dame namens Elfriede Hablé.
Ein Licht geht auf – und das obwohl es schon seit fünf Uhr abends dunkel ist … Ja, es gibt Nahrung, die sich nicht in den Regalen im Supermarkt stapelt. Es gibt Wärme, die selbst an düsteren Tagen verfügbar ist. Eine Mutter streichelt ihrem Kind über die Wange, Freunde trösten einander mit Worten und Gesten. Ein Mann macht einer Frau ein Kompliment, die ihn daraufhin leidenschaftlich küsst …