Reinigung und Neubeginn

Die Qualität der Zeit um Lichtmess oder Imbolc, wie die Kelten das Fest nannten, offenbart sich in der strahlend weißen Brigid und ihrem Bären.

Mit Mariä Lichtmess am 2. Februar kehrt das Licht zurück. Imbolc hieß das Fest im keltischen Jahreskreis, und mit ihm begann sich das Jahresrad – am 25. November angehalten – wieder zu drehen. Obgleich die Natur noch in winterlicher Starre verharrt, werden die Tage schon deutlich länger, und unmerklich steigt bereits der Saft in die Bäume. Vor allem der Saft der Birke ist im Frühling heiß begehrt. Die Kelten haben daraus ihren Met gebraut. Birkensaft ist ein reinigendes Getränk, das die Schlacke des Winters aus dem Körper spült.

So war der Februar auch ein Monat der Reinigung (dies ist auch die ursprüngliche Bedeutung des Monatsnamens). Was nicht mehr gebraucht wird, erfährt durch die Kraft des Feuers eine Transformation. Wir können neu gereinigt in das Jahr gehen. Die Christen ließen daraus das Fest „Mariä Lichtmess“ entstehen: Nach jüdischem Brauch gilt eine Mutter nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage lang als „unrein“. Mariä Lichtmess wird exakt 40 Tage nach Weihnachten gefeiert. Zunächst hieß das christliche Fest übrigens „Mariä Reinigung“. Für die Kelten jedoch war es die schöne Brigid – „die vom Strahlenkranz Umgebene“, welche die dunkle, schwarze Göttin ablöste, die als Holle, Percht, Cerridwen oder auch Morrigane den Winter beherrschte. Brigid wird sowohl mit dem ewigen Feuer, in dem das Alte verbrannt wird, als auch mit dem Wasser, das reinigt, in Verbindung gebracht.

Mit Brigid steigen die Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde, allen voran der Bär. Er ist kein anderer als der wiedegeborene, noch verhüllte jugendliche Sonnenkönig. Die Geschichte dieses Liebespaares findet sich im Grimm’schen Volksmärchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ wieder, in dem ein zum Bären verzauberter Prinz den Winter bei einer alten Frau und ihren beiden Töchtern verbringt. Die alte Frau ist die Holle, die beiden Mädchen stehen für die flammende und für die reinigende Seite Brigids, und der verzauberte Prinz ist natürlich der Sonnenkönig.

Ein wunderbarer Schatz verbirgt sich in den Märchen: Getarnt als Kindergeschichten, konnte das alte Kulturgut vor der Ausrottung bewahrt werden. Auf Papier gebannt, keimt es allerdings nicht – dazu müssen die Geschichten schon erzählt werden, sodass der alte Putz abbröckelt und frische Elemente dem Märchen zu neuem Leben verhelfen.