Sammeln und Danken

Die ganze Kraft der Natur steckt in den Früchten, die nun geerntet werden. Während die Pflanzen erschöpft sind, kommen Tiere und Menschen dank der üppigen Nahrung erst so richtig in Fahrt.

Im September nimmt die Kraft der Sonne allmählich ab. Die heißen Tage werden weniger – und immer kürzer. Die Pflanzen haben in den vergangenen Monaten all ihre Kraft in die Früchte gesteckt. Was übrig bleibt, ist regelrecht erschöpft. Nichts blüht mehr – oder etwa doch? Die Herbstzeitlose hat einen Rhythmus, der demjenigen anderer Pflanzen entgegen gesetzt ist: Die Samenkapseln säen sich im Juni aus, während im Herbst ihre hellrosafarbene Blüte auf sich aufmerksam macht. Die tulpenartigen Blätter der giftigen Pflanze wachsen im Frühjahr und sollten auf keinen Fall mit Bärlauch verwechselt werden.

Das Tierreich kommt nun mächtig in Bewegung. Schwalben sammeln sich in riesigen Schwärmen und beginnen mit ihrem Zug gen Süden. „An Mariä Geburt ziehen die Schwalben furt“, lautet die Bauernregel zum 8. September. In den Wäldern röhren die Hirsche und kämpfen um die Vorherrschaft im Rudel; der kräftigste gewinnt die Gunst der meisten Damen und kann viele kräftige Nachkommen zeugen. Wespen und Hornissen haben im September Hauptsaison und tun sich am Fallobst gütlich. Die jungen Königinnen sind nun unterwegs, um sich von den Drohnen begatten zu lassen. Anschließend sterben die Männchen und das übrige Wespen- und Hornissenvolk ab, während sich die Königinnen einen Unterschlupf zum Überwintern suchen.

Auch bei den Menschen wird die sommerliche Trägheit im September abgelöst von der emsigen Arbeit am Feld. Die Bauern bringen die Ernte ein, Früchte und Gemüse wird in Einweckgläsern haltbar gemacht, sodass auch über den Winter genügend Nahrung vorhanden ist. Natürlich gibt es auch im Supermarkt um die Ecke alles zu kaufen, was das Herz gerade begehrt – und das unabhängig von den Jahreszeiten. Aber das liegt nur daran, dass auf der Erde immer irgendwo Erntezeit ist und immer irgendwer die Ernte einbringt, um sich und andere zu ernähren. Erntedank ist nicht nur ein Fest für die Landwirte. Der Natur Danke sagen, dafür ist im Herbst vielleicht die beste Zeit.