Sonne, Regen, Klimawandel

Wie das derzeitige Wetter in Deutschland zu den Prognosen der Klimaforscher passt

Der Regen ist vorbei, die Fluten ziehen sich zurück. Doch für viele Menschen ist das erst der Beginn der Katastrophe: Ihre Häuser sind unbewohnbar geworden, die Äcker der Bauern starren vor Dreck und Schlamm. Die Ernten sind vernichtet – und mit den steigenden Lebensmittelpreisen werden auch diejenigen, die nicht direkt vom Hochwasser betroffen sind, davon etwas zu spüren bekommen.

In Deutschland gab es im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine ganze Reihe von „Jahrhunderthochwassern“. 1988 kam es zum Beispiel an der Donau zwischen Regensburg und Passau zu katastrophalen Überschwemmungen. Ebenso am Rhein im März des gleichen Jahres. Im Jahr 1993 suchte eine Hochwasserkatastrophe Deutschland um die Weihnachtszeit heim. Vor allem Rhein, Mosel und Main traten über ihre Ufer. Im Januar 1995 gab es ein erneutes Jahrhunderthochwasser. Wiederum traten Rhein, Mosel und Main sowie Nahe und Maas über die Ufer. Auch viele andere Flüsse verwandelten sich in reißende Ströme. In Deutschland, aber auch in den Niederlanden, in Belgien und in Nordfrankreich kam es zu weitreichenden Überschwemmungen. Im Sommer 1997 entstand nach einem Jahrhundertregen das katastrophale Hochwasser entlang der Oder. 2002 folgte die nächste Jahrhundertflut erst in Bayern, dann entlang der Elbe. 2005 hieß es in Bayern erneut „Land unter“.

Japanische Klimaforscher haben herausgefunden, dass die sogenannten „Jahrhundertfluten“ des 20. Jahrhunderts künftig alle paar Jahrzehnte zu erwarten seien. „Hochwasser gehört zu den am engsten mit dem Klimain Verbindung stehenden Katastrophen“, schreiben Yukiko Hirabayashi und die Co-Autoren von der Universität von Tokio und anderen japanischen Forschungsstellen. Ihr Bericht wurde Anfang Juni online in „Nature Climate Change“ veröffentlicht.

Ist der Klimawandel also bereits voll im Gang? Es scheint so: In den vergangenen 80 Jahren ist es in Bayern um 1,6 Grad wärmer geworden. In den ersten 70 Jahren stieg die Temperatur um 0,7 Grad. Doch von 2001 an ging es rapide: 2006 waren es schon 1,1 Grad, und innerhalb des darauffolgenden Jahres 1,6 Grad. Die Zahlen haben Experten herausgefunden,  als sie alle bis ins Jahr 1931 zurückreichenden Daten des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet haben.

Dass es uns dennoch so vorkommt, als würde es in Bayern nicht recht Sommer werden wollen, liegt laut einem Bericht der Max Planck Gesellschaft vom 22. Mai daran, dass der Klimawandel momentan eine kleine Pause einlegt. Da das Klimasystem sehr träge ist und etwa die Ozeane sich nur sehr langsam aufheizen, dauert es, bis sich die Wirkung der Treibhausgase voll entfaltet. Außerdem beeinflussen zahlreiche andere Prozesse das Klima – einige wirken wie eine Rückkopplung und verstärken den Treibhauseffekt, manche Prozesse schwächen ihn aber auch ab. Insgesamt, so sagen die Experten, erwärmt sich die Erde jedoch weiter. „Diese Erwärmung findet vor allem in tieferen Schichten der Ozeane statt“, erklärt Jochem Marotzke in dem Bericht der Gesellschaft.

Marotzke gehört zu einem Team der weltweit renommiertesten Klimaforscher, das die jüngste Entwicklung der Oberflächentemperatur nun in einer neuen Vorhersage berücksichtigt, wie die Erde durch den Treibhauseffekt vor allem von Kohlendioxid (CO2) aufheizen wird. Diese Prognose bestätigt, dass die Klimamodelle den Trend der Erderwärmung richtig vorhersagen: „Wenn die Konzentration des Treibhausgases weiter unvermindert wächst, wird die Durschnittstemperatur bis 2050 im Vergleich zu vorindustriellen Werten wahrscheinlich um 0,9 bis 2,0 Grad Celsius angestiegen sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Atmosphäre deutlich stärker aufheizen als um zwei Grad, auf die die UN-Klimakonferenz die Erwärmung begrenzen will“, heißt es in dem Bericht der Max Planck Gesellschaft. Es gibt also in keiner Weise Grund zur Entwarnung.