Tiki-touring around New Zealand

Eine Spritztour durch Neuseeland

Neuseeland oder auch Aoteora – das Land der weißen Wolke, ungefähr 17.000 km (!!!) von zu Hause entfernt, irgendwo im pazifischen Ozean, um die Ecke von Australien. 40 Mio. Schafe und 4,1 Mio. Einwohner auf 268.000 Quadratkilometern Fläche – der Traum eines jeden Wildnisfreaks?

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Um dem tristen deutschen Winter (der ja dann doch kein Richtiger war!) zu entfliehen, haben wir Anfang November einmal den gesamten Globus umrundet um auf diese geheimnisvolle Insel zu gelangen. Das Empfangskomittee am Flughafen hieß uns in Form einer „Pest Control“ willkommen, bei der unsere gesamte LowTech-Outdoor-Ausrüstung in seine Bestandteile zerlegt und nach Erdkrümeln und essbaren Notrationen abgesucht wurde. Der Grund für diese gewissenhafte Maßnahme liegt in eingeschleppten, mittlerweile riesigen Hasenpopulationen, gigantischen Lupinenfeldern und massenhaft auftretendem, marderartigem Getier. Phänomenen, denen man künftig eher vorbeugend entgegenwirken möchte.

Um unseren CO2 Pro Kopf-Verbrauch noch ein wenig mehr in die Höhe zu treiben, haben wir uns ein uraltes, knallrotes Auto zugelegt. Ohne eigenen fahrbaren Untersatz kommt man zwar von Stadt zu Stadt bzw. von einem Touri-Hotspot zum Nächsten, nicht aber an die idyllischen, entlegenen Fleckchen der großartigen, neuseeländischen Wildnis. An diesen befinden sich häufig auch die naturnahen Campingplätze, auf die man ohne schicken Campervan angewiesen ist, und die man leider oft erst nach mühevollem Suchen und langen Diskussionen findet. Betrieben werden diese Plätze vom Department of Conservation, der neuseeländischen Naturschutzbehörde, die Besucher damit zum Komfortverzicht, Wasser sparen und zur Müllvermeidung anhält. Vielleicht deshalb, so unser Gedanke, damit sie der Bevölkerung mit gutem Beispiel voran gehen!? Vom umweltschonenden Verhalten hält der gemeine Kiwi nämlich eher wenig. Er liebt zwar seine Natur, zeigt seine Zuneigung aber in ganz eigener Art und Weise: er kurvt auf allerlei motorisiertem Fahrzeug durchs Land, angelt in nahezu jedem Wasserloch und trinkt dazu literweise Dosenbier, das er gut verpackt in vielen Plastiktüten aus den dortigen Konsumtempeln trägt. Echte Naturburschen also. Um diese Tradition nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, geben sogar Zeitschriften Erziehungstipps, wie man den Nachwuchs zu „Real Kiwis“ macht.

Dabei sind die weißen Kiwis erst seit 200 Jahren in Neuseeland zuhause. Wie ist es aber um die Traditionen der Maori bestellt, die diese Inseln schon ein paar Jahre länger bewohnen? Auf diese Frage haben wir nicht wirklich eine Antwort gefunden. Den weißen Neuseeländern zufolge, hat man sich durch faire Verträge geeinigt. Ihr Wildniswissen sowie ihre Kultur und Spiritualität lassen sich auf jeden Fall noch vielerorts bestaunen. In Sachen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft macht den Neuseeländern allerdings so schnell keiner etwas nach. Sie stehen einem überall und jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und stellen so sicher, dass man sich niemals fremd oder verloren fühlt. Auf Menschen trifft man in Neuseeland aber wahrlich nicht überall, weite Teile des Landes sind sowohl menschen- als auch schafleer. Und dort sieht man Naturschönheiten, die alles andere in den Schatten stellen: blauweiß glitzernde Gletscher, türkise Seen, rauchende Vulkane, endlose, weiße Sandstrände, zerklüftete Felsenküsten, bizarre Mondlandschaften, sattgrüner Farndschungel und spektakuläre Flussläufe – ursprüngliche Schönheit, die die Seele tief berührt. Wenn man dem Raum gibt!

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Man kann diese Natur aber auch ganz anders erkunden: festgeschnallt im Jetboat oder Hubschrauber, am Bungeeseil von Brücken baumelnd, am Fallschirm hängend oder auf dem Surfbrett stehend – ständig die Perspektive wechselnd. In dieser Hinsicht sind die Neuseeländer an Einfallsreichtum kaum zu überbieten. Der Spaß am Outdoor-Living wird in den neuseeländischen Weiten auch nicht durch lauernde Krokodile, hungrige Bären oder giftige Schlangen getrübt. Die Awareness kann getrost einen Gang runter geschalten werden – es sei denn, man will sich an einen der äußerst seltenen Kiwis (hier ist weder Frucht noch Einwohner gemeint!) heranpirschen, einen der einheimischen, flugunfähigen, schrägen Vögel.

Ursprünglich waren die Inseln nur von Federvieh aller Art besiedelt, kein vierbeiniger Fressfeind störte die Idylle. Die Bedürfnisse und Interessen der Einwanderer zogen im Laufe der Zeit jedoch auch diverses Getier nach sich. Für die Begrenzung des daraus entstandenen Schadens scheut man heute weder Kosten noch Mühen. An die mittlerweile recht verbreiteten (daher auch ziemlich unbeliebten) Opossums braucht man sich meist aber auch nicht mehr heranzuschleichen. Exemplare für eine Rundhaaranalyse finden sich mühelos an jeder Strasse – wenn auch etwas platt und unansehnlich. Natur- und Wildnisfreunde kommen in Neuseeland also auf jeden Fall auf ihr Kosten. Auch wenn man auf der Reise ab und an mal die eigenen Ideale über Bord werfen muss, kann man in diesem Land am anderen Ende der Welt eine wunderbare, sowohl entspannende als auch aufregende Zeit verbringen.