Vergehen und Werden

Die Natur geht mit gutem Beispiel voran: Sie lässt das Alte los, nachdem sie für das Überleben der zukünftigen Generation gesorgt hat.

Der Wind hat die Farbenpracht fast allerorten von den Bäumen geweht, übrig bleiben die kahlen Skelette von Bäumen, durch die nun der Nebel wabert. Ein paar Insekten torkeln noch durch die kalte Luft. Wer sich nicht rechtzeitig in eine schützende Ritze verkrochen hat, verliert. Die Natur scheint wie abgestorben, feindlich allem Lebenden gegenüber. Die Zugvögel befinden sich längst auf ihrer Reise in den Süden. Fledermaus, Siebenschläfer und Igel haben sich unter die Erde zum Winterschlaf verkrochen. Doch noch etwas anderes „schläft“ eingebettet in den Humus: die Samen, mit welchen die Natur für die nachwachsende Generation im nächsten Jahr vorgesorgt hat. Das Neue ist also bereits am Werden, während das Alte vergeht.

Obwohl die Menschen sich die Kälte mittels Heizung und die Dunkelheit mittels elektrischem Strom vom Leibe halten, macht sich doch auch unter ihnen die November-Qualität bemerkbar. Manch einer möchte Beschwerliches loslassen, bevor es in die dunkelste und kälteste Zeit des Jahres geht. Wer sich die Natur als Vorbild nimmt, erhält von ihr einen wertvollen Hinweis: Loslassen funktioniert am besten, wenn man bereits etwas Neues gesät hat. So kann sich der Blick vom Vergangenen auf das Zukünftige richten, und Trauer über das Verlorene endet mit der Hoffnung auf einen Neuanfang. Bei den Kelten begann deshalb auch das Jahr mit dem Monat November, den sie „Nebelung“ nannten.

A propos: Weiß jemand, warum der November der nebelreichste Monat ist?

Wer die Antwort wissen will, findet sie unter dem Menüpunkt „Aktuell“ …