Wo sind die Bienen

Alles blüht und duftet, aber es fehlt das Summen in der Luft … sind heuer tatsächlich viel weniger Bienen unterwegs als sonst?

Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit an der Universität Bern, bestätigt den Verdacht: „Letztes Jahr sind in der Schweiz die Hälfte aller Bienen gestorben, also rund 100.000 Bienenvölker. In den USA liegt die Sterberate in letzter Zeit bei konstanten 30 Prozent – als Toleranzwert gelten für die Imker eigentlich 10 Prozent.“ Auch in Deutschland waren die Verluste in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch. Im Frühjahr 2012 haben die Imker rund 25 Prozent ihrer Völker verloren.

Laut der Langzeitstudie „Deutsches Bienen-Monitoring“ ist vor allem die Milbe Varroa destructor am Bienensterben schuld; Professor Neumann bestätigt das. Aber auch die Lebensbedingungen selbst machen den Bienen zu schaffen: Riesige Monokultur-Flächen verdrängen die Blumenwiesen. Dort, wo es jene Wiesen noch gibt, werden sie oft schon vor der Blüte gemäht. Damit geht Bienennahrung verloren. Die Folge ist Mangelernährung von klein auf, die Widerstandskraft der Bienen schwindet. Doch das ist längst nicht alles. Pestizide wie jene Gruppe der Pflanzenschutzmittel mit Neonicotinoiden, welche die EU nun wenigstens zum Teil verbieten will (siehe Artikel unter „News“), schädigen und töten ganze Bienenvölker. Und auch die Extreme von Kälte-, Hitze- und Dürreperioden im sich wandelnden Klima bedeuten zusätzlichen Stress (nicht nur) für die Bienen.

„Wenn die Bienen weiter sterben, kann es durchaus Engpässe bei der Bestäubungsleistung geben und damit natürlich ernsthafte Probleme für die menschliche Ernährung und die Umwelt“, prognostiziert Professor Neumann. „Während zwar Reis und Gerste über den Wind bestäubt werden, sind für die gesunde Ernährung mit Gemüse und Obst die Bienen als bestäubende Insekten unersetzlich. Auch die meisten Wildpflanzen benötigen Bestäubung durch Insekten.“
Greenpeace ruft in seinem Bericht „Bye Bye Biene“ deshalb zum sofortigen Umschwenken von einer chemie-intensiven Landwirtschaft zu einem ökologischen Agrarsystem auf.
Ansonsten gäbe es da noch die Lösung, wie sie im Dokumentarfilm „More than honey“ in einer chinesischen Provinz gezeigt wird: Weil die Bienen dort bereits ausgestorben sind, übernehmen Massen von Menschen die Bestäubung – mittels Wattetupfer Blüte für Blüte!

Quellen:
http://www.uniaktuell.unibe.ch (Onlinemagazin der Universität Bern)
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/chemie/20130408-Bye-bye-biene-report.pdf
http://www.morethanhoney-derfilm.at/